Erkrankungen

Fehltage und psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren massiv zugenommen und befinden sich bereits seit der Jahrtausendwende und auch aktuell im Anstieg. Genauer betrachtet ist die Anzahl der Personen, die erkranken, und auch die Dauer der Erkrankung angewachsen.

„2012 wurde etwa jeder siebte Fehltag (13,7 Prozent) von psychischen Erkrankungen verursacht. Psychische Erkrankungen sind damit der zweithäufigste Grund für Fehltage nach Muskel-Skelett-Erkrankungen“ (BPtK, 2013, S.16).

Unabhängig davon, ob psychische Beschwerden durch einen Arbeitskontext ausgelöst oder verstärkt werden oder nur parallel vorhanden sind, stellen sie Handlungsbedarf dar. Eine Interaktion zwischen psychischen Erkrankungen – in welchem Stadium auch immer – und der Arbeit ist unvermeidbar.

Burnout

„Burnout“ hat als psychische Erkrankung im Arbeitskontext durch mehrfache Medienberichte unterschiedlichster Art zügig den höchsten Bekanntheitsgrad gewonnen.

Seitdem Burnout im ärztlichen Behandlungsverfahren codiert und dokumentiert werden kann, lassen sich Aussagen über den Anstieg dieser Erkrankung treffen. In den letzten 15 Jahren ist ein starker Anstieg von Arbeitsunfähigkeit mit Burnoutdiagnose zu verzeichnen. Während sich im Jahr 2004 sich nur 0,67 Arbeitsunfähigkeitstage pro 100 Versicherten auf Burnout-Krankschreibungen (Z73) nachweisen ließen, 2011 waren es bereits 9,1 Arbeitsunfähigkeitstage und damit vierzehnmal so viele.
Eingeführt wurde „Burnout“ als Begriff und Erkrankungskonzept von H. Freudenberger (1981). Das zwölfstufige Konzept beschreibt innere und äußere Veränderungen im Burnoutprozess. Bei genauerer Betrachtung der Stufen muss davon ausgegangen werden, dass die Betroffenen im Rahmen der 5. Stufe oder später – und somit erst nach etwa der Hälfte – krankgeschrieben und als arbeitsunfähig attestiert werden.

Die Kritik einiger Wissenschaftler, hinter Burnout würden sich oftmals andere psychische Erkrankungen verbergen, ist nicht ganz unberechtigt. Burnout-Symptome überlappen mit den Kriterien anderer psychischer Erkrankungen und Beschwerden.
Dazu ist Burnout im Vergleich mit anderen psychischen Erkrankungen wesentlich seltener die Hauptursache einer Krankschreibung. Die meisten Fehltage entfallen auf Depression und Angsterkrankungen. Die Daten stammen von den größeren Krankenkassen AOK, TKK, DAK, BKK und Barmer GEK. Ihre Versicherten bilden 85% der gesetzlich Versicherten ab.

Traumafolgereaktionen

Traumatische Ereignisse können bei Einsatzkräften und Mitarbeitern aus Justiz und Notfallmedizin zunächst normale Traumafolgereaktionen auslösen. Bei geeigneter Einsatznachsorge können diese abklingen. Dann entwickelt sich keine Störung.

Als direkte Traumatisierung können etwa Einsätze, in denen eine Bedrohung für das eigenen Leben und die körperliche Unversehrtheit erlebt wird, beschrieben werden. Hingegen stellt die indirekte Traumatisierung Einsätze ohne Selbstgefährdung jedoch mit starker emotionaler Belastung dar, etwa das Bergen von Verstorbenen nach einem Zugunglück.

Die Reaktionen auf traumatische Ereignisse verändern sich im zeitlichen Verlauf. Die Schockphase beginnt direkt mit Eintreten des Traumas. Das ist gegebenenfalls am Gesicht der Einsatzkraft oder am Zittern seiner Extremitäten sichtbar, der Mitarbeiter ist unter Schock, fühlt sich wie betäubt, ängstlich oder wütend, er kann aber auch weinen oder sehr unruhig sein. Allerdings ist es häufig, dass keine solche Reaktion bei Mitarbeitern im Einsatzwesen sichtbar ist. Sie agieren im „Funktionsmodus“ und erfüllen an sie gerichtete Aufforderungen.
Nach meist 48 Stunden (frühestens einer Stunde oder manchmal nach einer Woche) gelangt der Betroffene in die Einwirkungsphase. In dieser erlebt der Betroffene oft Intrusionen (z.B. wiederkehrende Gedanken, sich aufdrängende Bilder, Wahrnehmungsstörungen) an das Ereignis, leidet unter Übererregbarkeit und erhöhter Wachsamkeit (z.B. Schlafstörungen) und vermeidet an das traumatische Ereignis gebundene Orte, Erinnerungsreize und Gespräche diesbezüglich. Diese Reaktionen sind zwar erschreckend, insbesondere auch für den Betroffenen selbst, wenn er keine grundlegende Information über Trauma besitzt, sie sind allerdings eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Diese Phase dauert mindestens zwei bis hin zu vier Wochen nach dem Ereignis an.
In der darauffolgenden Erholungs- oder Chronifizierungsphase verblassen die Symptome oder verstärken sich. Etwa nach 12 Wochen ist erkennbar, ob sich der Betroffene erholen konnte oder ob sich die Symptome aus der Einwirkungsphase chronifiziert also verfestigt und generalisiert haben. Im diesem Fall wird eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert.

Suchterkrankungen

Um die häufig auftretenden Symptome zu verdrängen, um sich von der Übererregbarkeit zu erholen, um seine Ängste zu verdrängen, greifen leider Betroffene häufig zu Alkohol und anderen Suchtmitteln.

Depression

Die Betroffenen empfinden Schuldgefühle in Verbindung mit dem Einsatz, nehmen wahr, dass sie weniger Kontrolle über das eigene Leben besitzen, sie fühlen sich häufig unzulänglich und nehmen eine Einschränkung ihrer Fähigkeiten und Lebensqualität wahr. Minderwertigkeitsgefühle verfestigen sich. Letztlich erkranken einige Betroffene an einer Depression.

Angsterkrankungen

Durch den starken Kontrollverlust und die Übererregbarkeit ist es möglich, dass sich eine Angststörung entwickelt. Situationen, welche nur bedingt beeinflussbar sind oder in denen auf Grund der Erfahrung mit einer Gefahr gerechnet wird, lösen dann eine extreme Angstreaktion aus.

In der Rubrik Spezialisierung finden Sie Informationen über einige Anforderungen von Arbeit, welche in wissenschaftlich belegtem Zusammenhang mit dem Entstehen von psychischen Erkrankungen stehen. Die psychische Belastung wird durch ein stabiles Ressourcensystem verringert.