Prävention

Was ist Prävention?

Prävention beinhaltet Maßnahmen, die ergriffen werden, um psychische und körperliche Krankheiten zu vermeiden oder eintretende Schädigungen zu begrenzen.

Die Prävention wird zur Verhütung von steigenden Krankenzahlen eingesetzt oder auch um weitere Verschlechterung vorzubeugen und eine Verbesserung herbeizuführen.
Psychische oder psychosomatische Beschwerden verursachen Absentismus oder Präsentismus.
Absentismus bezeichnet das Fehlen von Mitarbeitern aufgrund von körperlichen oder psychischen Erkrankungen sowie eine Fluktuation von Mitarbeitern, z.B. auch der Wechsel zu anderen Dienststellen oder Arbeitsbereichen. Präsentismus beschreibt, dass Mitarbeiter zwar anwesend jedoch wegen gesundheitlicher oder anderer Ursachen weniger konzentrationsfähig sind.

Gründe für Prävention

Ein gegenseitiges aufeinander Verlassen ist im Einsatzwesen, in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, im Justizwesen, in der Akutmedizin und in Beratungs- und Betreuungseinrichtungen unerlässlich.
Grundlegend hierfür sind körperliche und psychische Gesundheit der Mitarbeiter, konkrete Absprachen und eine starke Mitarbeiterschaft, die auch funktioniert, wenn ein einzelner Mitarbeiter durch private Probleme nur zwei Drittel seiner Leistungsfähigkeit ausschöpfen kann.
Diese Mitarbeiter dürfen nicht bei normalen Alltagsaufgaben bereits „am persönlichen Limit“ arbeiten.
Der einzelne intensiv belastete Mitarbeiter sollte Regenerationsfähigkeit und Genesungsressourcen besitzen, so dass er im Dienst, bei möglicher Interaktion privater und paralleler Beanspruchung nicht der Belastung erliegt.
Viele psychische Erkrankungen brechen in dem Moment aus, in welchem mehrere Stressoren zusammenwirken. Oft kann zwischen den langfristigen Gründen, die psychische Verletzbarkeit schaffen oder die Entwicklung einer psychischen Erkrankung begünstigen, und den situativen Auslösebedingungen bezüglich des Ausbruchs der Erkrankung unterschieden werden.

Um die Gesunderhaltung und Regeneration zu stärken, kann beim Verhalten der Mitarbeiter z.B. Stressbewältigungskompetenzen, Resilienz, Selbstfürsorgemaßnahmen, beim Führungsverhalten oder bei angemessenen Kompetenzen hinsichtlich der Aufgabenbewältigung, um z.B. Überforderung und Unterforderung zu vermeiden, angesetzt werden.
Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern beeinflusst stark, ob Kollegen einander gut einschätzen können, dasselbe Sprachverständnis und gleiche Redewendungen nutzen, die benötigten Informationen weitergeben und eine Fehlerkultur leben, in der Fehler nicht verheimlicht werden. Aus den Fehlern eines anderen Menschen zu lernen oder geeignetes Feedback zu geben, kann in Trainings verbessert werden.

Auf diesem Weg wird gleichzeitig eine Wissensweitergabe an jüngere Mitarbeiter optimiert und ein positives Image nach Außen realisiert. Dies soll insbesondere geeignete Bewerber anziehen.
Langfristig werden Personalengpässe und Leistungsausfälle reduziert.

Anforderungen im Beruf

Direkte und indirekte Traumatisierung

Direkte Traumatisierung schließt ein persönliches Erlebnis ein, während dem die eigene körperliche Unversehrtheit oder das eigene Leben bedroht oder gar verletzt wurde. Auch anwesend zu sein, während eine andere Person akut bedroht, massiv verletzt oder gefoltert wird, wird als direkt traumatisierend bezeichnet.
Von einer bekannten oder fremden Person zu einer Handlung gezwungen zu werden unter der Drohung, dass einem selbst, einer aktuell anwesenden oder abwesenden Person sonst genannt Schäden zugefügt werden, kann ebenfalls als direkte traumatisierend bezeichnet werden. Ohnmacht, Kontrollverlust und Entsetzen werden während dem intensiven, negativen Ereignis gefühlt. Dazu gehört auch das Erleben einer Geiselnahme, Erleben von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt.
Indirekte Traumatisierung bedeutet etwa im eigenen Beruf mit Schilderungen, Fotos, Tatorten, Beweismitteln und genaueren Tathergangsdetails von traumatischen Ereignissen wiederholt in Berührung zu kommen. Details der Tat können belasten, auch das nur ein Bruchteil der Belastung ist, welches das Opfer erlebt hat. Dies belastet oft Kriminalbeamte, Staatsanwälte oder Richter. Auch Traumatherapeuten und Sozialarbeiter, die wiederholten Kontakt mit traumatisierten Patienten und ihren Erlebnisdetails haben, werden belastet. Dies muss noch nicht bedeuten, dass sich eine ernsthafte Erkrankung entwickelt, aber das ein Präventionsbedarf besteht.
Auch Freunde, Familienmitglieder und Nahestehende sind erschüttert von der Brutalität, dem Leid und den Folgen der Tat. Ihr Weltbild und ihr Sicherheitsgefühl wird ebenfalls erschüttert oder stark beeinflusst. Sie fühlen mit dem Menschen, welcher die Tat überlebt hat, mit. Diese indirekte Traumatisierung führt zu vergleichbaren Beschwerden wie die die direkte Traumatisierung. In der Literatur ist auch als sekundäre Traumatisierung verzeichnet.
Zu den körperlichen Beschwerden gehören Verspannungen, Rückenbeschwerden, Schlafstörungen und körperliches Schwächegefühl. Betroffene oder deren Angehörige bemerken auf emotionaler Ebene Abgestumpfheit, Gereiztheit, Wut und Stimmungsschwankungen. Die kognitiven Beeinträchtigungen beinhalten Konzentrationsschwierigkeiten, fehlende Objektivität, beeinträchtigte Gewissenhaftigkeit in der Arbeitserledigung, Grübeln und Gedankenabschweifen. Diese sind für den Arbeitgeber manchmal erkennbar. Nachweise über die auftretenden körperlichen und emotionalen, kognitiven Symptome sind auch in der wissenschaftlichen Literatur (Andreatta 2006, Reinhard & Maerker 2004, Stamm 2002) erbracht worden.

Emotionsarbeit

„Emotionsarbeit“ beschreibt die Herausforderung, sich um die Emotionen des Gegenübers oder Klienten stärker zu bemühen, als um die eigenen Bedürfnisse. Mitarbeiter sollen warme und positive Gefühle, Verständnis oder Neutralität produzieren und zeigen, sowie die emotionalen Zustände des Gegenübers regulieren und letztlich Zufriedenheit bei ihm hervorrufen.

Intensiver persönlicher Klientenkontakt

Emotionsarbeit findet auch im pflegeorientierten, stabilisierenden, erzieherischen oder sozialarbeiterischen Rahmen statt. Die Klienten-Beziehung im betreuerischen, psychologischen Bereich ist langfristig, somit entstehen Situationen in welchen der Betreute an der Aufrechterhaltung und einer positiven Betreuungsqualität interessiert ist. Beide Parteien tragen einen Teil der Verantwortung, obgleich diese noch ungleich verteilt bleibt. Der Betreuende kann und muss sich von den Klienten seinerseits eine Einhaltung bestimmter Regeln und deren Respekt, Mitarbeit und Zuverlässigkeit einfordern. Den Klienten in verschiedenen Situationen aufzufangen und ihm Stabilität zu geben, ist herausfordernd für den helfenden Gesprächspartner.
In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass diese Emotionsarbeit einen gesundheitlichen Tribut fordern kann (Grandey, 2003; Hochschild, 1983, 2006; Raststetter, 2008). Um dem vorzubeugen, gibt es Supervision und unterschiedliche Unterstützungsprogramme, sie sind in manchen Institutionen selbstverständlich und in anderen selten oder bruchstückhaft vorhanden.