Spezialisierung

Direkte und indirekte Traumatisierung

Direkte Traumatisierung schließt ein persönliches Erlebnis ein, während dem die eigene körperliche Unversehrtheit oder das eigene Leben bedroht oder gar verletzt wurde. Auch anwesend zu sein, während eine andere Person akut bedroht, massiv verletzt oder gefoltert wird, wird als direkt traumatisierend bezeichnet.
Von einer bekannten oder fremden Person zu einer Handlung gezwungen zu werden unter der Drohung, dass einem selbst, einer aktuell anwesenden oder abwesenden Person sonst genannt Schäden zugefügt werden, kann ebenfalls als direkte traumatisierend bezeichnet werden. Ohnmacht, Kontrollverlust und Entsetzen werden während dem intensiven, negativen Ereignis gefühlt. Dazu gehört auch das Erleben einer Geiselnahme, Erleben von Vergewaltigung und häuslicher Gewalt.
Indirekte Traumatisierung bedeutet etwa im eigenen Beruf mit Schilderungen, Fotos, Tatorten, Beweismitteln und genaueren Tathergangsdetails von traumatischen Ereignissen wiederholt in Berührung zu kommen. Details der Tat können belasten, auch das nur ein Bruchteil der Belastung ist, welches das Opfer erlebt hat. Dies belastet oft Kriminalbeamte, Staatsanwälte oder Richter. Auch Traumatherapeuten und Sozialarbeiter, die wiederholten Kontakt mit traumatisierten Patienten und ihren Erlebnisdetails haben, werden belastet. Dies muss noch nicht bedeuten, dass sich eine ernsthafte Erkrankung entwickelt, aber das ein Präventionsbedarf besteht.
Auch Freunde, Familienmitglieder und Nahestehende sind erschüttert von der Brutalität, dem Leid und den Folgen der Tat. Ihr Weltbild und ihr Sicherheitsgefühl wird ebenfalls erschüttert oder stark beeinflusst. Sie fühlen mit dem Menschen, welcher die Tat überlebt hat, mit. Diese indirekte Traumatisierung führt zu vergleichbaren Beschwerden wie die die direkte Traumatisierung. In der Literatur ist auch als sekundäre Traumatisierung verzeichnet.
Zu den körperlichen Beschwerden gehören Verspannungen, Rückenbeschwerden, Schlafstörungen und körperliches Schwächegefühl. Betroffene oder deren Angehörige bemerken auf emotionaler Ebene Abgestumpfheit, Gereiztheit, Wut und Stimmungsschwankungen. Die kognitiven Beeinträchtigungen beinhalten Konzentrationsschwierigkeiten, fehlende Objektivität, beeinträchtigte Gewissenhaftigkeit in der Arbeitserledigung, Grübeln und Gedankenabschweifen. Diese sind für den Arbeitgeber manchmal erkennbar. Nachweise über die auftretenden körperlichen und emotionalen, kognitiven Symptome sind auch in der wissenschaftlichen Literatur (Andreatta 2006, Reinhard & Maerker 2004, Stamm 2002) erbracht worden.

Emotionsarbeit

„Emotionsarbeit“ beschreibt die Herausforderung, sich um die Emotionen des Gegenübers oder Klienten stärker zu bemühen, als um die eigenen Bedürfnisse. Mitarbeiter sollen warme und positive Gefühle, Verständnis oder Neutralität produzieren und zeigen, sowie die emotionalen Zustände des Gegenübers regulieren und letztlich Zufriedenheit bei ihm hervorrufen.

Intensiver persönlicher Klientenkontakt

Emotionsarbeit findet auch im pflegeorientierten, stabilisierenden, erzieherischen oder sozialarbeiterischen Rahmen statt. Die Klienten-Beziehung im betreuerischen, psychologischen Bereich ist langfristig, somit entstehen Situationen in welchen der Betreute an der Aufrechterhaltung und einer positiven Betreuungsqualität interessiert ist. Beide Parteien tragen einen Teil der Verantwortung, obgleich diese noch ungleich verteilt bleibt. Der Betreuende kann und muss sich von den Klienten seinerseits eine Einhaltung bestimmter Regeln und deren Respekt, Mitarbeit und Zuverlässigkeit einfordern. Den Klienten in verschiedenen Situationen aufzufangen und ihm Stabilität zu geben, ist herausfordernd für den helfenden Gesprächspartner.
In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass diese Emotionsarbeit einen gesundheitlichen Tribut fordern kann (Grandey, 2003; Hochschild, 1983, 2006; Raststetter, 2008). Um dem vorzubeugen, gibt es Supervision und unterschiedliche Unterstützungsprogramme, sie sind in manchen Institutionen selbstverständlich und in anderen selten oder bruchstückhaft vorhanden.